Impfplan für Hunde — Welche Impfungen wann?
Grundimmunisierung, Auffrischung, Core- und Non-Core-Impfungen — ein vollständiger Leitfaden zum Impfplan für Hunde nach aktuellen Empfehlungen.
Warum Impfungen so wichtig sind
Impfungen gehören zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen für deinen Hund. Sie verhindern schwere, oft tödlich verlaufende Infektionskrankheiten und schützen nicht nur dein Tier, sondern auch andere Hunde in der Umgebung. Manche Krankheiten wie Tollwut und Leptospirose sind zudem auf den Menschen übertragbar.
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) unterteilt Impfungen in Core-Impfungen (für jeden Hund empfohlen) und Non-Core-Impfungen (je nach Lebenssituation).
Core-Impfungen: Der Pflichtschutz
Diese Impfungen werden für jeden Hund empfohlen, unabhängig von der Haltung:
Staupe (CDV)
- Erreger: Canines Staupevirus
- Symptome: Fieber, Nasenausfluss, Durchfall, neurologische Störungen
- Gefahr: Oft tödlich, besonders bei Welpen. Überlebende tragen häufig bleibende Nervenschäden davon.
- Impfschutz: Sehr gut, hält nach Grundimmunisierung mehrere Jahre.
Parvovirose (CPV)
- Erreger: Canines Parvovirus
- Symptome: Schwerer, blutiger Durchfall, Erbrechen, Austrocknung
- Gefahr: Für ungeimpfte Welpen oft tödlich (Sterblichkeit bis 90 %). Das Virus ist extrem widerstandsfähig und überlebt monatelang in der Umwelt.
- Impfschutz: Sehr gut, hält nach Grundimmunisierung mehrere Jahre.
Hepatitis contagiosa canis (HCC)
- Erreger: Canines Adenovirus Typ 1
- Symptome: Leberentzündung, Fieber, Bauchschmerzen, Gelbsucht
- Gefahr: Kann akut tödlich verlaufen.
- Impfschutz: Langanhaltend.
Leptospirose
- Erreger: Leptospira-Bakterien (verschiedene Serovare)
- Symptome: Leber- und Nierenversagen, Fieber, Erbrechen
- Gefahr: Auf Menschen übertragbar (Zoonose)! Infektion über kontaminiertes Wasser (Pfützen, Seen).
- Impfschutz: Kürzer als bei Virusimpfungen — jährliche Auffrischung nötig. Die Impfung deckt nicht alle Serovare ab.
Tollwut
- Erreger: Rabiesvirus
- Symptome: Verhaltensänderungen, Aggressivität, Lähmungen
- Gefahr: Immer tödlich. Auf Menschen übertragbar. In Deutschland zwar selten, aber für Reisen ins Ausland vorgeschrieben.
- Impfschutz: Im EU-Heimtierausweis dokumentiert, Auffrischung je nach Impfstoff alle 1–3 Jahre.
Non-Core-Impfungen: Je nach Lebenssituation
Diese Impfungen werden je nach individueller Risikolage empfohlen:
Zwingerhusten (Parainfluenza + Bordetella)
- Wann sinnvoll: Hundetagesstätte, Hundeschule, Ausstellungen, Tierpensionen
- Besonderheit: Kombination aus Virus- und Bakterienkomponente. Intranasale Impfung bietet schnelleren lokalen Schutz.
- Auffrischung: Jährlich bei Risikohunden.
Borreliose
- Wann sinnvoll: Hunde in Zecken-Hochrisikogebieten
- Besonderheit: Umstritten — guter Zeckenschutz ist oft effektiver. Die Impfung deckt nicht alle Borrelien-Arten ab.
- Alternative: Konsequenter Zeckenschutz (Spot-on, Tabletten, Halsbänder).
Leishmaniose
- Wann sinnvoll: Hunde, die in den Mittelmeerraum reisen
- Besonderheit: Bietet keinen vollständigen Schutz, reduziert aber das Risiko einer klinischen Erkrankung. Immer in Kombination mit Mückenschutz.
Herpesvirus (CHV-1)
- Wann sinnvoll: Zuchthündinnen
- Besonderheit: Schützt Welpen vor der gefürchteten Herpesviruserkrankung in den ersten Lebenstagen.
Der Impfplan im Detail
Grundimmunisierung beim Welpen
| Alter | Impfung |
|---|---|
| 8 Wochen | Staupe, Parvovirose, Hepatitis, Leptospirose |
| 12 Wochen | Staupe, Parvovirose, Hepatitis, Leptospirose, Tollwut |
| 16 Wochen | Staupe, Parvovirose, Hepatitis |
| 15 Monate | Staupe, Parvovirose, Hepatitis, Leptospirose, Tollwut |
Warum mehrere Impfungen? Welpen haben bis zur 8.–12. Woche noch mütterliche Antikörper im Blut, die den Impfstoff neutralisieren können. Die Mehrfachimpfung stellt sicher, dass das Zeitfenster erwischt wird, in dem der Welpe selbst Antikörper bilden kann.
Auffrischung beim erwachsenen Hund
| Impfung | Auffrischungsintervall |
|---|---|
| Staupe | Alle 3 Jahre |
| Parvovirose | Alle 3 Jahre |
| Hepatitis | Alle 3 Jahre |
| Leptospirose | Jährlich |
| Tollwut | Alle 1–3 Jahre (je nach Impfstoff) |
| Zwingerhusten | Jährlich (bei Risikohunden) |
Titer-Bestimmung als Alternative?
Statt automatisch aufzufrischen, kann per Blutuntersuchung der Antikörper-Titer gemessen werden. Ein ausreichend hoher Titer zeigt, dass der Impfschutz noch besteht. Das ist sinnvoll bei:
- Hunden mit Impfreaktionen in der Vorgeschichte
- Älteren oder chronisch kranken Hunden
- Besitzern, die nicht häufiger impfen wollen als nötig
Wichtig: Die Titer-Bestimmung funktioniert gut für Staupe, Parvovirose und Hepatitis — bei Leptospirose und Tollwut ist die jährliche bzw. regelmäßige Auffrischung Standard.
Häufige Fragen
Kann man zu viel impfen?
Überimpfung ist ein berechtigtes Thema. Die aktuellen Empfehlungen sehen für die meisten Core-Impfungen 3-Jahres-Intervalle vor. Jährlich geimpft werden muss nur Leptospirose (und ggf. Zwingerhusten).
Sind Impfungen sicher?
Ja, moderne Impfstoffe sind sehr sicher. Gelegentlich kann es zu milden Impfreaktionen kommen (Müdigkeit, leichtes Fieber für 1–2 Tage). Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten.
Darf ein kranker Hund geimpft werden?
Nein. Nur gesunde Tiere sollten geimpft werden. Bei akuten Erkrankungen, Fieber oder Parasitenbefall wird die Impfung verschoben.
Wann darf ein Welpe raus?
Grundsätzlich ist Sozialisierung wichtig und sollte nicht zu lange warten. Nach der ersten Impfung ab 8 Wochen kann der Welpe unter kontrollierten Bedingungen Kontakt zu geimpften Hunden haben. Voller Schutz besteht erst nach der 16-Wochen-Impfung.
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Zusammenfassung
Ein guter Impfschutz ist die beste Vorsorge für deinen Hund. Die wichtigsten Punkte:
- Core-Impfungen sind Pflicht — Staupe, Parvovirose, Hepatitis, Leptospirose, Tollwut
- Grundimmunisierung vollständig abschließen — bis zur 15. Lebenswoche + Auffrischung mit 15 Monaten
- Individuelle Risikoanalyse — Non-Core-Impfungen nach Lebenssituation
- Auffrischungsintervalle einhalten — Core alle 3 Jahre, Leptospirose jährlich
- Digital dokumentieren — nie wieder eine Impfung vergessen
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